Ortswahltechnik - Wählsysteme 48 und 48M


Das elektromechanische Wählsystem 48 wurde 1948 vom Fernmeldetechnischen Zentralamt in Wien spezifiziert. Als Schaltelemente für den Verbindungsaufbau wurden Drehwähler (DW) und Hebdrehwähler (HDW) eingesetzt, als Steuerelemente kamen Flachrelais zum Einsatz. Infolge einer einheitlichen Aufbautechnik in Gestellen und Gestellreihen ist das System nach Bedarf erweiterbar. Abhängig von der Zahl der anzuschaltenden Fernsprechanschüsse enthalten Vermittlungsstellen mit Wählsytem 48 (WS 48) 1 – 2 Vorwahlstufen, 1 – 4 Gruppenwahlstufen und eine Leitungswahlstufe.
Ab 1956 kamen in neuen Vermittlungsstellen als Schaltelemente anstatt von Hebdrehwählern neuentwickelte Motorwähler (MW) zum Einsatz. Derartige Vermittlungsstellen erhielten die Systembezeichnung WS 48M.
Die Funktionalität des Wählsystems 48 ist in den nachfolgenden Schaubildern mit Fotos dargestellt.
Die erste Vermittlungsstelle mit WS 48 wurde am 1. April 1950 in Eferding in Betrieb genommen. In einigen ländlichen Ortsnetzen, die zuletzt auf digitale Systeme umgerüstet wurden, war das  WS 48 bis zum Jahr 2000 im Einsatz.
 



Wählsystem 48 HDW   Wählsystem 48M
     
 


Schematische Darstellung des Verbindungsaufbaues zwischen zwei Fernsprechteilnehmern in einer Ortsvermittlungsstelle mit Wählsystem 48


Teilnehmerzählerfeld, darüber 10 Vorwähler (1.VW)





Jedem Teilnehmer ist ein selbsttätig anlaufender Vorwähler zugeordnet:
Beim Abheben des Telefonhörers durch den Teilnehmer läuft dessen Vorwähler an und sucht sich einen freien 1. Gruppenwähler (1. GW), der dann die Wahlinmpulse aufnimmt.





Hebdrehwähler System 48: v l. n. r. Kontaktbank, Schaltwerk und Steuerungsrelais:
Der Hebdrehwähler hatte eine Kontaktbank mit 100 Ausgängen pro Ader. Die Kontaktbank ist zylindermantelförmig ausgebildet und besteht aus 3 Teilbänken mit je 100 Kontaktlamellen. Dadurch können die 3 Adern (Spechadern a und b sowie die c Ader als Steuerader) durchgeschaltet werden. Beim Hebdrehwähler wurden die Schaltarme mittels der vom Teilnehmer gewählter Nummer in die der jeweiligen Ziffer entsprechende Dekade vertikal (Höhenschritte) gehoben. Selbsttätig suchte sich dann der Wähler bei einer horizontalen Drehbewegung (Drehschritte) einen freien Ausgang (Leitung). Wurde kein freier Ausgang gefunden, wurde der Wähler am letzten Schritt gestoppt und dem Teilnehmer das Besetzeichen übermittelt.





Schaltwerk Hebdrehwähler (HDW 48) mit den 3 Schaltarmen a, b und c :





Motorwählerlaufwerk mit Steuerungsrelais:
Der Motorwähler wurde vorerst nur im Fernverkehr eingesetzt, fand aber ab 1960 (in O.Ö. ab 1963) auch im Ortsverkehr Verwendung.
Der Antrieb enthält bei diesem Wähler anstelle eines Heb- und Drehmagneten einen besonders ausgeführten Motor, weshalb dieser Drehwähler auch als Motorwähler bezeichnet wurde. Durch diesen Motorantrieb werden die Schaltarme nur in der horizontalen Ebene fortbewegt, sodass der Eindruck eines fast gleichmäßigen Durchlaufens der Schaltarme entsteht.
Gegenüber dem Hebdrehwähler sind beim Motorwähler sämtliche Dekaden in den Kontaktebenen hintereinander angeordnet. Dadurch erreicht man eine Schrittgeschwindigkeit von bis zu 200 Schritten pro Sekunde und damit eine schnellere Durchschaltezeit ( Hebdrehwähler 50 Schritte pro Sekunde). Ein weiter Vorteil des Motorwählers ist eine höhere Anzahl der Schaltarme, welche man beim vierdrähtigen Fernverkehr benötigte.
Aufgrund von Dämpfungsverlusten auf den Fernleitungen musste das analoge Sprachsignal verstärkt werden. Dies war aber nur dann möglich wenn das Sprachsignal zwischen 2 Fernsprechteilnehmern in einen Hin- und Rückkanal aufgespaltet wurde, also eine 4-Draht-Verbindung entstand.


Motorwählerlaufwerk:
Die Schaltarme und die um 90 Grad versetzten Antriebsspulen M1 und M2.



Schaltplan eines Motorwählers:
Das ist der Schaltplan des Leitungswählers OFLW 48M, der im Endamtsverkehr Verwendung fand.

 
     
 
Druckversion in PDF   letzte Aktualisierung: Juli 2016   home