Wählsystem ESK-A5



Systementwicklung:

Die Entwicklung der automatischen Fernsprechtechnik nahm einen sehr raschen Aufschwung und bewegte sich weg von der bewährten klassischen Elektromechanik hin zur Elektronik. Vermittlungssysteme mit elektromechanischen Wählern hatten einen Entwicklungsstandard erreicht, der eine obere Grenze darstellte. Die zunehmend rasche Entwicklung elektronischer Bauelemente führte dazu, dass in neuen Vermittlungssystemen zunehmend elektronische Schaltkreise eingebaut wurden. Bei den bisherigen Systemen waren die informationsverarbeitenden Teile und Steuerelemente, wie Wähler und Registerverzoner, eng mit dem Sprechwegenetz verbunden. Diese Einrichtungen blieben daher über die gesamte Dauer der Gesprächsverbindung belegt. Sobald jedoch die Verbindung aufgebaut ist, haben die informationsverarbeitenden Teile der Vermittlungseinrichtung ihre Aufgabe erfüllt und sind für die Gesprächsverbindung nicht mehr nötig. Daher war man bestrebt bei der Entwicklung neuer Vermittlungssyteme diese Überlegung zu berücksichtigen. Die Entwicklung des Edelmetall-Schnellkontakt-Relais kurz ESK-Relais genannt von dem sich auch der Name des neuen Vermittlungssystems ableitet war die Basis hierfür.


Systemkurzbeschreibung:
Das ESK -A5 System war ein teilelektronisches, zentralgesteuertes Vermittlungssystem. Alle jene Funktionen, die bisher die Wähler erfüllt hatten, wurden durch ein Steuer- und Schaltelement mit hoher Einstellgeschwindigkeit und Kontaktsicherheit durch das ESK-Relais, realisiert. Dieses Relais bot die Voraussetzung für den Aufbau von Fernsprechzentralen in neuartiger Einschubbauweise. Der Wegfall jeglicher mechanischer Zwischenglieder ermöglichte es, elektronische Schaltungen in größerem Umfang einzusetzen. Beispiele hierfür sind die Verwendung von Transistorverstärkern bei der Wegesuche, elektronische Prüfschaltungen, Diodenmatrizen, usw. Über das Koppelfeld (Sprechwegenetzwerk) wurden die Verbindungen von Teilnehmer zu Teilnehmer innerhalb des Vermittlungsamtes und vom Teilnehmer zum übergeordneten Amt und in umgekehrter Richtung aufgebaut. Mögliche künftige Bedingungen wie Tastwahl wurden bereits berücksichtigt und konnten durch spätere Ergänzungen in das System integriert werden. Sämtliche Bauteile, die funktionell eine Einheit bildeten waren zu Baugruppen mit leicht zugänglicher Verdrahtung zusammengefasst. Diese Baugruppen wurden in die Etagen der Gestelle eingeschoben und anschließend verriegelt. Mit steckbaren Kabeln auf der Rückseite der Gestelle waren die Etagen untereinander verbunden. Durch diese Bauweise erreichte man kürzere Aufbauzeiten und im Betrieb eine höhere Bedienerfreundlichkeit durch einfache Zugriffsmöglichkeit auf die Baugruppen.



ESK-A5-Vermittlungsstelle im Telekom-Museum Ried



ESK-A5-Gestellreihe




Teilansicht eines ESK-A5-Gestells:
Unten eine herausgezogene Etage, in der die ESK - Baugruppen untergebracht sind. Oberhalb befindet sich das Bedienungs- und Signalfeld mit den Baugruppen, die für die Zustandskontrolle, für Systemprüfungen, zur Sperrung einzelner Baugruppen und für die Anzeige der belegten Einrichtungen zuständig waren.




Rückansicht der im Museum aufgebauten ESK-A5 -Gestelle
mit kompletter für den Betrieb notwendiger Verkabelung:



ESK-Baugruppe:
Oben die 104 Lamellen zum Anschalten der Baugruppe an das System über die Etagen mittels mechanisch verriegelbarem Andruckverbinder. Links 5 ESK-Relaisstreifen und rechts elektronische Schaltkreise auf Printplatten.




ESK -Relais Ausführungsform als Steuerungsrelais:
Dieses im Aufbau unkomplizierte Relais in der Größe von ca. 2cm x 2cm und einer Bauhöhe von ebenfalls 2cm hatte sich millionenfach bewährt und war neben den elektronischen Bauteilen der wesentliche Bestandteil des ESK-Systems. Die einzige Bewegung im Relais war die Auslenkung
4 kleiner Kontaktzungen mit dem minimalen Gewicht von je 0,4 Gramm unmittelbar im Magnetfeld der Spule. Dank kleiner bewegter Massen besaß das Relais eine sehr kurze Schaltzeit (zwei Millisekunden) und somit war die Voraussetzung für ein schnelles Herstellen von Verbindungen gegeben. 5 Relais waren in einem fix zusammengebauten Streifen untergebracht.
Dieses ESK -Relais gab es in zwei Ausführungen, einmal als Steuerungsrelais, das in den zentralen Steuerungs - und peripheren-Baugruppen zum Einsatz kam, und einmal als Kopplerrelais, das im Sprechwegenetzwerk zum Durchschalten der Verbindungen verwendet wurde.

 
     
 
Druckversion in PDF   letzte Aktualisierung: Juli 2016   home