Fernwahlsystem ESK-F


Mit dem Wählsystem ESK-F gelangte 1976 in Österreich ein rechnergesteuertes, leitwegfähiges Fernwahlsystem zum Einsatz. ESK-F ist eine Entwicklung der Siemens AG in Zusammenarbeit mit dem Fernmeldetechnischen Zentralamt der Österreichischen Post und Telegraphenverwaltung. Das System ist nach dem Baukastenprinzip modular aufgebaut und in zentrale, teilzentrale und periphere Systemelemente gegliedert. Die Systemstruktur ist im Blockschaltbild vereinfacht dargestellt.


Vereinfachte Systemstruktur ESK-F:






Die elektronische Steuerung ELST ist gegliedert in eine zentrale Programmsteuerung, einen Verarbeitungsteil und einen Speicherteil. Die Programmsteuerung enthält die anlagenspezifischen Daten für Leitweglenkung und Verzonung. Der Verarbeitungs- und der Speicherteil sind über Ein/Ausgabeeinheiten mit den Registern und der Richtungswahlstufe (Koppelnetz) verbunden.

Die ELST erkennt aus den einlangenden Wahlinformationen die Ursprünge und Ziele der Verbindungswünsche, vermittelt den Verkehr durch die Richtungswahlstufe, führt die Verzonung durch und erstellt die Vergebührungsdaten.

In der
Richtungswahlstufe RW wird der ankommende Verkehr auf die abgehenden Leitungsbündel verteilt. Die RW besteht aus vierstufigen, maschenartigen Koppelanordnungen. Jede dieser Gruppierungseinheiten stellt eine Matrix dar, bei der jeder Koppelpunkt durch zwei ESK – Relais gebildet wird.
Die teilzentralen Register sind die Schnittstellen zu den ankommenden Relaissätzen und zur  ELST, sie haben die Aufgabe Wahl- und Ursprungsinformationen zu empfangen, zu speichern und auszusenden. Der Informationsaustausch der Register ist durch Impulswahl und auch Mehr – Frequenz – Code Registerzeichengabe   MFC-R2 möglich. Die peripheren Relaissätze RS sind die Schnittstellen zu den ankommenden und abgehenden Leitungsbündeln, zur Richtungswahlstufe und zu den Registern. Als Schaltelemente in den Relaissätzen werden ESK – Relais verwendet. In Abhängigkeit von den angeschlossenen Leitungsbündeln und Gegenstellen sind verschiedene Relaissatztypen eingesetzt. Die RS haben während des Verbindungsaufbaues und des Gesprächs individuelle Aufgaben zu erfüllen (Übermittlung der Wahlinformationen, der Zustandskennzeichen, Durchschaltung der Gesprächskanäle). 

Die Einführung eines rechnergesteuerten Fernvermittlungssystems ergab gegenüber dem elektromechanischen Fernwahlsystem 51 wesentliche Vorteile. Ein effektiver Nutzen ist die
Leitwegfähigkeit des ESK-F Systems. Dieses Leistungsmerkmal ermöglicht die Verkehrsabwicklung über Zweitwege bei Bündelausfällen oder Verkehrsüberlastungen im sternförmig aufgebauten Vermittlungsstellennetz. Durch die Leitwegfähigkeit ist auch die Schaltung von Direktbündeln zwischen Regionen mit großen Verkehrsaufkommen möglich.
Sehr vorteilhaft ist auch der geringe Platzbedarf und der geringere Arbeitsaufwand beim Aufbau und bei Erweiterungen des Systems bedingt durch die Einschubbauweise der Baugruppen und die leichtere Verkabelung mit steckbaren Kabelandruckverbindern.
Eine
automatische Betriebsgüteüberwachung und Automatische–Prüf– Einrichtungen APRE für Register, Richtungswahlstufe und Relaissätze verringern den Arbeitsaufwand für das Betriebs- und Wartungspersonal.

Fernvermittlungsstellen in Oberösterreich, Salzburg, teilweise in Wien und Niederösterreich, die ab 1976 aus Alters- oder Kapazitätsgründen ausgetauscht werden mussten, wurden mit ESK-F Technik ausgestattet. Das am 25. September 1976 offiziell eröffnete Hauptbereichsamt Linz/Fadingerstraße war die erste ESK-F Vermittlungsstelle Österreichs im Echtbetrieb.
In den übrigen Regionen Österreichs gelangte ein anderes rechnergesteuertes System, das
Fernwahlsystem 11E-F von ITT Austria zum Einsatz.


Elektronische Steuerung (ELST) des ESK-F Hauptbereichsamtes Linz:


Offene Gestelle (ohne Gestellverkleidung) einer ESK-F Fernvermittlungsstelle:





Systemverkabelung an der Rückseite der ESK-F Gestelle:


 
     
 
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